

Es gibt Restaurants, in denen man sich sofort wohlfühlt, kaum hat man sie betreten. Das «Schützenhaus» in Oberuzwil ist eines davon. Wunderschön gelegen am idyllischen Bettenauer Weiher, wirtet nun mit Daniele Erni schon die dritte Generation der Familie Erni in dem ehemaligen Bauernhaus. Man spürt sofort, dass hier Menschen wirken, die ihren Beruf mit Herzblut ausüben und alles dafür tun, dass sich ihre Gäste wohlfühlen.
Kulinarisch steht (fast) seit der Eröffnung im Jahr 1990 durch Grossvater Kurt Erni Fleisch vom heissen Stein im Zentrum. Wie man daraus eine jahrzehntelange Erfolgsgeschichte macht, ist das Geheimnis einer Familie, die zusammenhält wie Pech und Schwefel und die Gastronomie mit Lust und Laune betreibt.
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Schützenhaus 12
9242 Oberuzwil



Kaum haben wir uns am Tisch niedergelassen, um Daniele Erni, dem aktuellen Erni-Wirt im «Schützenhaus», ein wenig auf den Zahn zu fühlen, betritt lachend Grossvater Kurt Erni das heimelige Lokal. Die zwei Krücken, auf die er mittlerweile angewiesen ist, scheinen den unternehmenslustigen Senior in keiner Weise zu bremsen. 1990 hat er in dieser Wirtstube seine ersten Gehversuche als Gastronom gemacht. Angefangen hat er mit den damals sehr beliebten Tischgrills, d.h. unten Raclette, oben Fleisch. «Das kam zwar gut an», erzählt er, «aber es blieb immer von dem einen oder dem anderen zu viel übrig.» So suchte er nach etwas Neuem und fand es bei einem Geschäftspartner: dem Rossmetzger Michel, der in seinem Restaurant Frohsinn in Felben Fleisch auf dem heissen Stein servierte. «Den heissen Stein habe ich in dem Sinn also nicht erfunden», lacht Kurt Erni, «aber ich war einer der Ersten, die diese Art der Zubereitung angeboten haben.» 1992 lancierte er sein Angebot mit dem heissen Stein. Der Erfolg kam schnell und massiv. Binnen zweier Monate lagen 70 % der Gerichte, die die «Schützenhaus»-Küche verliessen, auf dem heissen Stein. Überwiegend wurde Pferdefleisch bestellt, das damals kaum irgendwo erhältlich war, und schon gar nicht so wie im «Schützenhaus».
«Da es nichts ‹ab der Stange› für heissen Stein gab, haben wir alles selbst gemacht bzw. machen lassen», erzählt Kurt Erni. Ein befreundeter Schreiner hat ihm die Unterböden für die Steine gefertigt, die im «Schützenhaus» auch heute noch zum Einsatz kommen. Ebenfalls immer noch verwendet werden die Tortenspritzböden, die unter den Stein gelegt werden, um zu verhindern, dass die Gäste Spritzer vom heissen Fett abbekommen. «Wir mussten halt herausfinden, was funktioniert, und ein bisschen improvisieren», schmunzelt Kurt Erni, «aber da es auch heute noch ganz gut funktioniert, war es wohl nicht ganz ‹lätz›, was wir damals gemacht hatten.»
Dort, wo jetzt der grosse Saal des Restaurants liegt und die Gäste unter einem monumentalen Wandgemälde einer Postkutsche speisen, war damals noch der Lagerraum des Weinhändlers, dem die Liegenschaft gehörte und der noch Teile davon nutzte. «Wenn viele Gäste kamen, schoben wir jeweils einfach die Fässer zur Seite und stellten ein paar Festbänke auf. Den Gästen war das egal, Hauptsache, sie bekamen ihr Fleisch auf dem heissen Stein», erinnert sich Kurt Erni an die stürmischen Anfänge des «Schützenhauses». Mittlerweile verfügt das Haus neben der Originalgaststube über verschiedene weitere Räume, auf die die Gäste verteilt werden können, wenn der Ansturm gross ist. Neben dem schon erwähnten Saal gibt es im oberen Stock, wo früher die Wirtewohnung lag, drei Gasträume, die man auch für geschlossene Veranstaltungen oder für diskrete Geschäftsessen nutzen kann. Vor allem bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des ebenfalls in Uzwil gelegenen Weltkonzerns Bühler ist das «Schützenhaus» sehr beliebt, wenn es gilt, ausländische Gäste mit schweizerischen Spezialitäten zu verwöhnen.
Aus der Gaststube heraus fällt der Blick auf das Gartenrestaurant des Schützenhauses, das nun im Herbst ruhig unter den grossen Bäumen liegt. «In diesem Sommer war unser Garten immer voll», freut sich Daniele Erni, «dank der Schatten spendenden Bäume und des nahe gelegenen Bettenauer Weihers, der die Luft etwas kühlte, war das Schützenhaus noch mehr als sonst ein Publikumsmagnet.» Der grosse Spielplatz, der ebenfalls vor der Sonne gut geschützt unter ein paar Bäumen liegt, wird über den Winter neu gestaltet. Kinder sind im Schützenhaus sowieso herzlich willkommen. Daniele Erni, der selbst einen eineinhalbjährigen Sohn hat, hat für sie extra den Kinderstein erfunden. Sodass auch die Kleinen die gleiche Schützenhaus-«Experience» erleben können wie die Grossen. Nun wird sich saisonbedingt das Geschehen wieder ins Innere des gemütlichen Restaurants verlegen. «Das wird auch bei den Gästen für etwas Bewegung sorgen. Denn wir haben Gäste, die uns ausschliesslich im Sommer besuchen, und andere, die vor allem den Herbst und den Winter bevorzugen», erklärt Daniele Erni, der das Schützenhaus für die kalte Jahreszeit mit seinem Team festlich schmückt. Vor allem die Lichterdecke im grossen Saal ist bei den «Wintergästen» sehr beliebt.
Der junge Wirt, der praktisch in dem Restaurant aufgewachsen ist, kennt viele Gäste von Kindesbeinen an. Anders als sein Vater Roger Erni, der zuerst als Lehrer gearbeitet hatte, bevor er in die Gastronomie einstieg, hat Daniele Erni nie etwas anderes gemacht. «Ich habe sogar nur als Koch geschnuppert, so sicher war ich mir, dass ich genau das wollte», lacht Daniele Erni. Das Kochhandwerk hat er dann im Landgasthof Adler in Zuckenriet gelernt. Vor vier Jahren hat er das Zepter bzw. den Kochlöffel im «Schützenhaus» von seinem Vater Roger übernommen. Dass er nicht alles gleich mache wie Vater und Grossvater, verstehe sich von selbst, meint er dazu, aber es seien keine grossen Änderungen gewesen, die er bisher vorgenommen habe. Auf der Karte finden sich zum Beispiel seit seiner Übernahme verschiedene hausgemachte Beilagen, wie die äusserst beliebten Kroketten oder Desserts auf dem heissen Stein, die auch dem Know-how und dem Ideenreichtum des gelernten Kochs zu verdanken sind.
Dass ein Restaurant über so viele Generationen erfolgreich von einer Familie geführt wird, ist an sich schon eine Seltenheit. Dass dies aber mit so viel Harmonie geschieht, ist aussergewöhnlich. «Ich kann mich jederzeit auf meine Familie verlassen», freut sich Daniele Erni, «wenn Not am Mann ist, kommen die Eltern gerne, um mitzuhelfen. Auch wenn ich Fragen habe, zum Beispiel bei neuen Menüs, kann ich mich immer an sie wenden. Einmischen tun sie sich aber nie.» Der Übergang zwischen den Generationen verlief so reibungslos, dass viele Gäste, auch Stammgäste, den Führungswechsel gar nicht bemerkt haben. Ebenfalls sehr harmonisch verläuft seit Anfang die Beziehung zu TopCC. Schon Grossvater Kurt hat praktisch alle Einkäufe dort erledigt, Vater Roger war fast täglich Gast im TopCC Zuzwil, und auch Daniele führt diese Tradition gerne weiter. Wir freuen uns darauf, auch die nächste Generation der Familie Erni, die ja bereits heranwächst, noch viele Jahre mit besten Produkten zu begleiten.
